Weinkönigin

Bei Julia Bertram zu Hause an der Ahr 12

Ehemalige Weinmajestäten 

Weinkönigin Julia Bertram ganz privat

Der Blick auf Dernau unten an der Ahr ist idyllisch, und für Julia Bertram ein ganz besonderer: "Hallo Dernau, du hast mich wieder!", geht der 22-Jährigen dann durch den Kopf. Die Reben an den steilen Hängen, die Schieferfelsen, die Kirche von Dernau mitten zwischen den Häusern: "Das ist für mich Heimat", sagt Julia.

Im 1800 Einwohner kleinen Dernau platzten sie unterdessen fast vor Stolz auf "ihre" Julia, im Dorf hängen Plakate zu Ehren des neuen "Superstars": Am 29. September wurde Julia Bertram in Neustadt an der Weinstraße zur 64. Deutschen Weinkönigin gekürt.

Das bescheidene Einfamilienhaus der Bertrams steht direkt an der Ahr, dahinter im Steilhang liegt ein Weinberg mit Riesling-Reben, den die Bertrams bewirtschaften. Vater Walter Josef Bertram ist eigentlich Vermessungstechniker, betreut aber im Nebenberuf 1,5 Hektar Weinberge, wie viele hier an der Ahr. Die große Schwester Anna studiert derzeit Lebensmitteltechnologie.


Ihr Büro hat die neue Weinmajestät in der Küche aufgeschlagen, nicht nur, weil ihr Zimmer gerade renoviert wird. "Ich mag es, wenn viel um mich herum los ist", sagt sie lachend. Überhaupt hält sich Julia gerne in der Küche auf und kocht, auch mit Mutter Andrea zusammen. Das Thema Weinkönigin begleitet einen in Julias Elternhaus auf Schritt und Tritt: Eine Urkunde im Flur, ein gesticktes Kissen im Wohnzimmer, ein geschmiedetes Eselchen, das Wahrzeichen der Dernauer, mit einer goldenen Krone – es sind liebevolle Geschenke an die Weinmajestät, schon aus ihrer Zeit als Dernauer und als Ahrweinkönigin. Oma Rosemarie war übrigens 1959 auch schon Dernauer und 1960 Ahrwein-Königin, da war die Fortsetzung der Tradition letztendlich Ehrensache.

Dabei wollte Julia als Kind nie Weinkönigin werden. "Sie war nie der Prinzessinnen-Typ", sagt Mutter Andrea Bertram. Eher sei die kleine Julia an Karneval als Indianerin oder Cowboy gegangen, und noch lieber als Clown. Ein "unheimlich lebensfroher Mensch" sei ihre Tochter, dazu sehr kommunikativ und sehr gut organisiert. "Sie übernimmt gerne Verantwortung, und sie liebt Tiere", berichtet die Mutter. Als Kind lernte Julia Voltigieren, bis heute reitet sie, wenn es Ihr voller Terminkalender zulässt, am liebsten ihren geliebten Wallach Daan.

Auch das Theaterspielen begleitet Julia schon von Kindesbeinen an. Bereits mit fünf Jahren machte sie ihre ersten Schritte auf der Bühne, mit 16 gründete Julia zusammen mit Freunden ein Jugendtheater. Am Theater fasziniert sie, "dass man  einfach mal jemand ganz anderes sein kann", gelernt habe sie dort, "vor Leuten zu stehen, etwas vorzutragen, verkleidet zu sein." Ganz anders als bei der Rolle als Weinkönigin, findet Julia: "Da habe ich zwar die Krone auf, aber sonst bin ich Ich", betont sie. Das sei auch wichtig, denn neben dem Weinwissen sei es schließlich die Persönlichkeit, durch die das Amt der Weinkönigin mit Leben erfüllt wird.

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Bei Julia Bertram zu Hause an der Ahr 19

Die Leidenschaft zum Weinmachen wuchs bei Julia mit dem Weingenuss und wurde so groß, dass sie 2009 ein Praktikum bei Ahrwein-Legende Werner Näkel machte. Auch bei der Jungwinzervereinigung "SchlAHRvinos" ist sie Mitglied, als einzige Winzerin unter lauter Jungens. Im Juli schloss die 22-Jährige ihren Bachelor in Weinbau und Oenologie an der renommierten Fachhochschule Geisenheim ab. Eigentlich sollte nun noch ein Studium der Internationalen Weinwirtschaft folgen, für das Amt der Deutschen Weinkönigin muss das aber ein Jahr warten. Julias erster Wein war übrigens ihr persönlicher Ahr-Königinnen-Wein, ein trockener Spätburgunder.

"Eine gute Winzerin ist sie, Weinkönigin kann sie, was die Zukunft bringt, wird man sehen", fasst Vater Walter Josef knapp seinen Stolz auf die Tochter zusammen. Ansonsten sind Wein und Kommunikation bei den Bertrams Frauensache: Mutter Andrea Bertram führt zusammen mit Julias Tante das großväterliche Weingut Ernst Sebastian, ein kleines Familiengut im Ortskern von Dernau.

Auch Julia ist selbstverständlich bei allen Arbeiten im Weinberg, beim Keltern auf dem Hof und beim Weinausbau im Keller. Im Hof wird während der Weinlese mittags auch eine zünftige Brotzeit serviert, in lebhafter Runde um den großen Tisch.

Für Julia ist es eine Ehre als Deutsche Weinkönigin für die hervorragenden Erzeuger des Landes und ihre super Tropfen "etwas tun zu können". Die Jungwinzer liegen ihr besonders am Herzen, sie würde Julia gerne besser untereinander vernetzen. Wichtig ist ihr auch, das Gefühl der Deutschen für den heimischen Wein zu stärken: "Deutschland ist ein Weinkulturland, auf das wir stolz sein können", sagt sie: "Das will ich als Deutsche Weinkönigin den Menschen deutlich machen."


Weinprinzessin 

Anna Hochdörffer kommt aus einer alteingesessenen Winzersfamilie in Nussdorf in der Pfalz. Ihre Familie betreibt dort schon seit 1528 Weinbau. Annas Eltern, beide Winzermeister, bauten den Betrieb von vier Hektar zu einem modernen Weingut von 40 Hektar Fläche aus.

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Weinprinzessin 

Natalie Henninger ist mit ihren 21 Jahren die jüngste im Trio der Deutschen Weinmajestäten von 2012/2013. Die Badenerin wuchs am Kaiserstuhl in Endingen-Königschaffhausen auf, der Vater ist Verkaufsleiter der Winzergenossenschaft Königschaffhausen-Kiechlinsbergen.

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