In Vancouver begeisterte sie eine regionale Fernsehshow mit ihrem Witz und ihrer Weinkompetenz
– eine Zeitschrift hob sie gleich als "Wine Woman" in enger Lederhose auf ihr Cover. Wo immer Sonja hinkam,
die blonde Weinfachfrau wusste mit ihrem Wissen und mit ihrem Auftreten zu beeindrucken. "Sie waren die Idealbesetzung
und Sie haben Maßstäbe gesetzt", dankte denn auch die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts,
Monika Reule, der scheidenden Weinmajestät.
Keine Weinkönigin zuvor war so multimedial unterwegs wie die Hotelierstochter von der Mosel: Sonja twitterte, was fast schon normal ist, aber sie drehte auch eigene kleine Videofilme. Der SWR drückte ihr eine kleine Videokamera in die Hand, nach dem Motto "Mach mal" – und Sonja machte, versorgte die Homepage mit bewegten Bildern. "Sie haben das gemacht, mit der gleichen Professionalität wie alles andere", zeigte sich Reule beeindruckt. Egal ob Bundeskanzlerin oder ganz normaler Winzer: "Diese Professionalität durchzog Ihre ganze Amtszeit", lobte Reule, immer habe sie die Menschen mit gleicher Nonchalance und Charme bezaubert: "Sie waren für die gesamte deutsche Weinwirtschaft ein Glücksgriff."
Mehr als 3300 Artikel sind im vergangenen Jahr über die Deutsche Weinkönigin erschienen, das entspricht einer Auflage von 81 Millionen Exemplaren. Zahllose Interviews hat Sonja dafür absolviert, dazu mehrere Fernsehauftritte, wie etwa in "Duell im Ersten". Da hatte Sonja schon die Antworten parat, während andere noch die Fragen zu verstehen versuchten – und räumte denn am Ende auch den großen Gewinn ab.
Die Sprache verschlug es der Profi-Frau nur ein Mal: Bei einem Fallschirm-Tandemsprung. "Atem beraubend" sei der gewesen, berichtete Sonja an ihrem Abschiedsabend, ganz und das ganz buchstäblich: "Nach dem ersten Schrei, atmet man wieder ein – und kann es dann genießen."
So hat 2009 alles begonnen ... |
Ob bei italienischen Winzern in Rom, vor der Bundeskanzlerin auf der Intervitis-Messe, bei der Weinprobe in Singapur oder beim Riesling-Concert in New York, alle diese Auftritte habe Sonja "mit einem unglaublichen Charme und Wortwitz und einer tollen Ausstrahlung gemeistert", dankte Monika Reule ihr. In jedem Auftritt sei die Leidenschaft und Liebe der Moselaner Hotelierstochter zum Wein und den Menschen spürbar gewesen, mit ihrem Wissen habe sie ihre Zuhörer sofort für sich eingenommen. "Sie waren und sind für die gesamte deutsche Weinwirtschaft ein Glücksgriff", bilanzierte Reule.
Kein Wunder, dass ein New Yorker Weinfan sich gleich wünschte, Sonja möge doch diese Position ein Leben lang behalten. Da hätte die junge Frau aber sicher etwas dagegen: Mitte November tritt sei einen neuen Job in der Unternehmenskommunikation einer Frankfurter Firma an. Und noch ein wichtiges Event steht in Sonjas Leben an: Im Juni machte ihr Freund ihr einen Heiratsantrag – die Hochzeit ist für 2011 geplant.
Trotzdem war die scheidende Majestät ein bisschen wehmütig, als die um Punkt 20.31 Uhr ihre Krone wieder ablegte: "Ich habe das Jahr sehr genossen", sagte Sonja: In keinem anderen Job habe man die Möglichkeit, in so einer komprimierten Form so viele Dinge zu erleben. "Das ist das beste Aufbaustudium, das man sich wünschen kann."
Abschied von zwei Weinprinzessinnen
Abschied vom Amt nahmen am Freitagabend aber auch zwei weitere Weinmajestäten: Isabell Kindle und Christl Schäfer hatten ein Jahr lang Sonja Christ als Weinprinzessinnen zur Seite gestanden. "Sie haben unzählige Menschen von unseren Weinen und Winzern überzeugt", dankte Reule der Badenerin: Erreicht habe sie das neben ihrem Weinwissen mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit: "Man musste Sie einfach gern haben, und deshalb hatte man auch automatisch unsere Weine gern."
Christl Schäfer aus Franken musste dagegen in ihrer Amtszeit manch ein Abenteuer bestehen: Auf einer Reise nach Venezuela und Kolumbien hatte sie mit schlechten Dolmetschern und einem abhanden gekommenen Koffer zu kämpfen. "Ruhe und Gelassenheit waren neben Ihrer Fachkompetenz Ihre Markenzeichen," sagte Monika Reule: "Dafür gebührt auch Ihnen unser Dankeschön."
Isabell und Christl dankten zusammen mit Sonja in kleinen Reden auf offener Bühne: Mal habe sie Kolleginnen auf Weinfesten getroffen, mal auf Sylt beim Sonnenuntergang edle deutsche Tropfen genossen, berichtete Christl – ihr Motto sei immer gewesen: "Tue Gutes und rede darüber."
"Dank meiner Reisen kenne ich nun jede ICE-Strecke und jede Autobahn", bekannte auch Isabell. Atemberaubend sei in ihrem Amtsjahr aber nicht nur der Fallschirmsprunbg über den Weinbergen gewesen: "Wein ist für mich Kunst und Genuss und Teil eines modernen Lebensstils", sagte Isabell. Deshalb habe sie auch ein Motto durch das Jahr geleitet: "In dir muss brennen, was du in anderen entflammen willst." Dem werde sie auch weiter treu bleiben, versprach Isabell, und fügte noch hinzu: "Oder kennen Sie jemanden, der eine Überzeugung nach 365 Tagen über Bord wirft?"