Mandy gibt ihren Abschied

Man sagt: „Der beste Platz zur Lagerung von Wein ist die Erinnerung“. In den letzten 365 Tagen füllte sich mein persönlicher „Weinkeller der Erinnerungen“ mit herzlichen Begegnungen, beeindruckend schönen Orten und unvergesslichen Momenten.
 
Als alles begann ...

Während über 200 aufregender Termine als Botschafterin des deutschen Weines durfte ich eine intensive und für mich prägende Zeit voller abwechslungsreicher Aufgaben und Herausforderungen erleben. Neun Auslandsreisen - etwa nach Asien, Dubai, Südamerika und in die Niederlande - ermöglichten mir, zu erfahren, welche Wertschätzung und Anerkennung den deutschen Weinen, allen voran dem eleganten Riesling, entgegengebracht werden.

Deutsche Weine überzeugen durch Finesse, eine einzigartig fruchtige Aromatik und ihre unkopierbare Vielfalt. Durch die richtige Balance aus Tradition und Innovation, aus Erfahrung und Dynamik beweisen die ambitionierten Winzer mit jedem Jahrgang aufs Neue, dass deutscher Wein an der Weltspitze mitspielt.

Besonders bei kulinarischen Themenweinproben wie „Wein&Schokolade“ während der „Sial“ in Shanghai und „Spargel&Wein“ in Venezuela oder hochkarätigen Gourmet-Veranstaltungen wie der „Riesling-Gala“ im Rahmen der „Glorreichen Rheingau-Tage“, bei „Rote Weine im Roten Rathaus“ in Berlin oder auf Johann Lafers Stromburg bewiesen die heimischen Tropfen ihre Vielseitigkeit und ihr ausgezeichnetes Potential als Speisenbegleiter. Auch auf Fachmessen wie der „ProWein“ in Düsseldorf, der „Foodex“ in Tokio und der „Vinexpo“  in Bordeaux ernteten die präsentierten Weine begeisterte Komplimente der interessierten Gastronomen, Sommeliers und Weinfachhändler.

Außerdem begleitete ich Vertreter der Medien bei ihren Erkundungstouren durch die 13 Anbaugebiete, während derer sie sich vom perfekten Gesamtpaket unserer Weinregionen aus Kulturangeboten, malerischen Landschaften, bestaunenswerter Architektur, stimmungsvollen Veranstaltungen und regionalen Köstlichkeiten aus Küche und Weinkeller überzeugen konnten. Weinbaupolitische Diskussionen in Wiesbaden und Neustadt nutzte ich zum Gespräch mit Winzern, Verbänden und der Politik, um die Inhalte in kompetenter, aber verständlicher Weise an die Konsumenten vermitteln, in Interviews in TV, Radio und Printmedien Rede und Antwort stehen und in Vorträgen vor weininteressiertem Publikum weitergeben zu können.

Doch auch zum Anstoßen gab es für die erfolgsverwöhnten Winzer und mich reichlich Gelegenheit, so beispielsweise beim 175jährigen Jubiläum des Fränkischen Weinbauverbandes, zahlreichen Prämierungsfeiern wie der „Kammerweingala“, der Verleihung des „Deutschen Rotweinpreises“ oder der Jubiläumsveranstaltung in Meißen, wo 850 Jahre Weinbau in Sachsen bejubelt wurden.

Auch unerwartete Herausforderungen bereicherten meine Zeit als Deutsche Weinkönigin. Während eines atemberaubenden Fallschirmsprungs lernte ich die Pfalz aus 4000 Metern Höhe kennen. Auf der „Publishers´ Night“ in Berlin diskutierte ich mit Edmund Stoiber über die Konkurrenz von Bier und Wein und versuchte mit Show-Master Thomas Gottschalk hinter die geheime Rezeptur der HARIBO-„Weinland“-Produkte zu kommen. Und beim „Rieslingman“-Triathlon hatten die Deutschen Weinprinzessinnen Melanie Unsleber und Katja Bohnert und ich als „Pinot-Trio“ die Nase vorn.

Doch unter all den wertvollen Erfahrungen stellte für mich die Zeit, die ich in den Anbaugebieten selbst verbringen durfte, eine besondere Herzensangelegenheit dar. Dort lernte ich nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die regionalen Spezialitäten und das Terroir, auf dem sie gewachsen waren, kennen und lieben, sondern vor allem Lebensart, Mentalität und Erfolgsrezept der authentischen Winzer, die mich stets mit Wohlwollen und Gastfreundschaft in Empfang nahmen. Man spürt sofort: Weine zu kreieren, das ist nicht nur Handwerk und Beruf, sondern auch Leidenschaft und Berufung.

Gerührt und gleichzeitig beeindruckt haben mich auch Begegnungen mit ebenso leidenschaftlichen und weinbegeisterten Menschen außerhalb der Anbaugebiete. So überraschten mich Berliner in ihren liebevoll gestalteten  „Weingärten“, New Yorker während des mitreißenden „Summer of Riesling“ und Osnabrücker während der  genussvollen „Weintage“ mit großartigem Engagement für die heimischen Weine. Sie alle stellten für mich eine unbezahlbare Unterstützung, bei der Aufgabe, mit Stolz und Enthusiasmus für das Weinland Deutschland zu werben, dar.

Dieser Enthusiasmus wird allerdings nicht den Weg in meinen „Weinkeller der Erinnerungen“ finden. Ihn werde ich ein Leben lang im Herzen tragen.

 

 


 
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Mandy, überglücklich und stolz nach der sanften Landung
Mandy und Axel Kalenborn fliegen im TandemZum zweiten Mal führte mich mein Weg ins Reich der Mitte und zum zweiten Mal begeisterte mich die Aufgeschlossenheit und Neugierde der Chinesen, die es lieben, Neues zu entdecken. Und weil Wein sehr viel mehr ist als die Summe seiner Analysedaten, hieß es auf der Lebensmittelmesse Sial in Shanghai: "Probieren geht über Studieren".