08.09.10 . 12:18
Deutsches Weinkoenigin Bannergrafik
Die 61. Deutsche Weinkönigin 2009/2010 heißt Sonja Christ


Die erste Deutsche Weinkönigin erzählt

Vor über 60 Jahren wurde Elisabeth Gies, geborene Kuhn, aus Diedesfeld in der Pfalz zur ersten Deutschen Weinkönigin gekrönt.
 

Zunächst habe sie sich schon ein bisschen geziert, erinnert sich Elisabeth Gies. Das war im Sommer 1949. Da stand der Bürgermeister  von Diedesfeld im Wohnzimmer ihrer Eltern und fragte, ob sie nicht für ihren Ort bei der Wahl zur Pfälzischen Weinkönigin antreten wolle. "Insgeheim hat es mich natürlich gefreut, dass ausgerechnet ich gefragt wurde", sagt die heute 80-Jährige, "es gab ja auch noch andere Mädchen". Kurz nach der Wahl zur pfälzischen Hoheit am 2. Oktober 1949 wurde die 18-Jährige dann sogar zur ersten Weinkönigin Deutschlands ernannt.

Medien-Brimborium um die Wahl - Wenn am 8. Oktober in Neustadt an der Weinstraße die inzwischen 62. Deutsche Weinkönigin gewählt wird, sitzen Elisabeth Gies und ihr 89-jähriger Mann Ferdinand nur ein paar hundert Meter vom Geschehen entfernt in ihrem Diedesfelder Wohnzimmer und schauen sich das ganze  Spektakel im Fernsehen an. Damals, als sich die junge Frau aus dem heutigen Neustädter Stadtteil Diedesfeld im Saalbau der Stadt zur Wahl stellte, gab es das ganze Medien-Brimborium um die Wahl noch nicht. Kaum jemand hatte Ende der 1940er Jahre einen Fernsehapparat,  und an Live-Übertragungen war schon gar nicht zu denken.

Anerkennung für die Leistungen der Kandidatinnen - Das war aber nicht unbedingt von Nachteil, findet Elisabeth Gies, die damals noch Kuhn hieß. "Früher war die Wahl volkstümlicher, heute ist es eine große Schau", sagt sie. Die damals 25  Kandidatinnen mussten einen Spruch aufsagen und sich dem Publikum vorstellen. Vor der Wahl wurde in Einzelgesprächen noch das
 Fachwissen der Winzertöchter getestet. Das sei aber kein Vergleich zu den Anforderungen der heutigen Wahl. "Was die alles über Wein  wissen müssen", sagt Elisabeth Gies nicht ohne Anerkennung für die jungen Frauen: "Allein diese vielen gesetzlichen Vorschriften."

Völlig neue Welten ... - Wenige Tage nach ihrer Wahl zur Pfälzischen Weinkönigin bekam die junge Frau auch noch die Krone für ganz Westdeutschland aufgesetzt. Das Deutsche Weininstitut habe das damals so gewollt, damit sie für alle westdeutschen Anbaugebiete werben könne. Für die junge Frau aus dem kleinen pfälzischen Dorf eröffneten sich dadurch völlig neue
 Welten. Sie durfte fortan kostenlos quer durch die Republik reisen. Karlsruhe, Stuttgart, München, Berlin: "Für mich war das damals eine  ganz neue, bunte Welt. So wie wenn junge Leute heute nach New York, Hongkong oder Tokio fliegen", erinnert sie sich.

"Die Menschen jubelten mir zu" - Besonders der Ausflug ins Nachkriegsberlin ist Elisabeth Gies im  Gedächtnis geblieben. Anlässlich der 'Berliner Weinwerbewoche' vom  3. bis 18. Juni 1950 wurde sie für einen Umzug auf einem Lastwagen durch Westberlin gefahren, von den Straßenrändern aus jubelten ihr die Menschen zu.

"An diesem Tag gab es vor dem Schöneberger Rathaus Freiwein für die Berliner, die waren ganz aus dem Häuschen", so Elisabeth Gies. Aber noch aus einem anderen Grund ist ihr die Fahrt nach Berlin in allerbester Erinnerung geblieben: Dort habe es zwischen ihr und ihrem Ehemann Ferdinand "richtig gefunkt".

Hineinfinden in die öffentliche Rolle - Für die junge Frau, die unter der Woche zu Hause im elterlichen Weinbaubetrieb mithelfen musste, waren die Auftritte als Weinkönigin am Wochenende "eine tolle Sache». Allerdings habe sie sich erst in ihre öffentliche Rolle hineinfinden müssen. "Ich sollte plötzlich so mondäne Kleider anziehen - dabei wollte ich lieber weiterhin mein Dirndl tragen", erzählt Elisabeth Gies: "Schließlich war ich ja die Deutsche Weinkönigin und keine Schönheitsprinzessin oder so etwas".

"Ich würde wieder kandidieren" - Obwohl das Amt der Deutschen Weinkönigin heute ein Vollzeit-Job  ist - Elisabeth Gies würde wieder kandidieren, wenn sie noch einmal jung wäre "und wenn ich die mittlerweile benötigte fachliche Eignung besäß". Damals, da sei es vor allem um ein sympathisches Auftreten  gegangen. Und um den Spruch, der einem Lied aus "Das Wildfangrecht"
 von Julius Wolff entlehnt ist. Den kann die 80-Jährige übrigens auch heute noch aufsagen: "Ich trink auf du und du, dem ganzen deutschen Volke zu. Und wünsch ihm Glück und Segen des edlen Weines wegen."

Die Kandidatinnen, für die Wahl der 62. Deutschen Weinkönigin, Jahrgang 2010/2011

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